Im Alter ist nahezu jeder von einer eingeschränkten Mobilität betroffen. Wenn es soweit ist, wird vielen bewusst, wie einfach alles mit einem gesunden Körper zu erledigen war. Wenn Mobilität oder Kraft auf einmal fehlen, können selbst einfachste Tätigkeiten Schwierigkeiten bereiten und die Eigenständigkeit wird eingeschränkt. Wer auch im letzten Drittel seines Lebens oder auch in jeder anderen Lebensphase in den eigenen vier Wänden unabhängig und ohne Hinderisse wohnen möchte, kommt in der Regel um eine bauliche Umgestaltung nicht herum.

TREPPENPROBLEM MIT AUFZUG LÖSEN

In vielen Fällen stellen Treppen im fortgeschrittenen Alter die größte Hürde dar. „Oft liegen die wichtigen Lebensbereiche auf verschiedenen Etagen – vor allem in Einfamilienhäusern“, sagt der Sachverständige und Dipl. Bauingenieur Frank Schonlau. Diese sind in den meisten Fällen mit Treppen verbunden, die im Alter zumindest schwer oder gar nicht mehr zu überwinden sind – zumindest nicht ohne Hilfsmittel. „Hierbei können zum Beispiel Aufzüge eine sinnvolle Lösung sein“ sagt Schonlau. Diese könnten, trotz geringem Platz im Treppenhaus, häufig nachträglich innerhalb des Hauses integriert werden. Falls dies nicht möglich ist, besteht in den meisten Fällen die Möglichkeit, den Aufzug außen an das Gebäude anzubauen. „Viele scheuen hierbei allerdings die Kosten“, sagt Schonlau und ergänzt: „Diese sind aber meist gar nicht so hoch, wie man allgemeinhin vermutet.“ Hier lohnt es sich, zumindest ein Angebot einzuholen. Neben vollwertigen Aufzügen können im Außenbereich auch kleine Hebebühnen und im Innenbereich die bekannten Treppenlifte zum Überwinden von Treppen eine Alternative darstellen.

WICHTIGE LEBENSBEREICHE AUF EINE EBENE VERLAGERN

Wenn diese Lösungen nicht in Betracht kommen, bleibt noch der Umbau des Gebäudes. „Für ältere Menschen empfiehlt es sich dann, alle wichtigen Lebensbereiche auf eine Etage zu verlegen“, sagt Schonlau. Da vor allem Einfamilienhäuser auf diese Nutzung nicht ausgelegt sind, können bauliche Veränderungen nötig werden. Diese sind individuell an die örtlichen Gegebenheiten, und an die Wünsche der Nutzer anzupassen. „Wenn genügend Grundfläche zur Verfügung steht, reicht es aus, Räume umzufunktionieren oder zusätzliche Räume durch das Einziehen von Wänden zu schaffen.“ So lassen sich Schlafzimmer, Bad, Küche sowie Wohnbereiche in eine Ebene verlegen. Steht auf einer Etage nicht genügend Platz zur Verfügung, kommt ein Anbau als Lösung in Betracht. Dieser kann heutzutage in Form eines Massivbaus, in Holzbauweise oder auch als voll nutzbarer Wintergarten, gestaltet werden.

UNGENUTZTE ETAGEN ZUR EIGENSTÄNDIGEN WOHNUNG UMFUNKTIONIEREN

Sind alle wichtigen Lebensbereiche auf einer Etage angesiedelt, stehen oft Räume oder ganze Stockwerke leer. Aber auch diese müssen im Alter nicht ungenutzt bleiben. „In vielen Fällen lassen sich die Stockwerke zu eigenständigen Wohnungen umgestalten und von der Hauptwohnung abkoppeln“, sagt Schonlau. Wenn das Abkoppeln innerhalb des Hauses nicht möglich ist, kann ein eigenständiger Zugang über eine Außentreppe und somit ein eigener Eingang geschaffen werden. Die somit geschaffene, eigenständige Wohnung kann für die eigene Familie, als Mietwohnung oder auch als Unterkunft für Pflegepersonal genutzt werden.

AN DAS ALTER DENKEN, BEVOR ES SOWEIT IST

Aber egal, wie eine Immobilie zum barrierefreien Wohnraum umgestaltet wird, die Maßnahmen sollten am besten ausgeführt werden, bevor sie zwingend notwendig werden. Das hat nicht nur Vorteile für die Planung, die so ohne Zeitdruck und in Ruhe angegangen werden kann. Außerdem erleichtert sich auch die Finanzierung, wie Schonlau zu bedenken gibt: „Rentner haben zum Beispiel mehr Probleme bei der Kreditbeschaffung als Erwerbstätige und im fortgeschrittenen Alter lässt sich eine Umbaumaßnahme zudem nicht mehr so einfach umsetzen und begleiten.“ Deshalb empfiehlt er, sich spätestens in den letzten Jahren des Erwerbslebens Gedanken um die Wohnsituation im Alter zu machen. „Das fällt vielen schwer, da es sich um ein eher unangenehmes Thema handelt, aber so sparen sich Hausbesitzer im Rentenalter Zeit und Nerven.“

FÖRDERMÖGLICHKEITEN

Der Umbau zu Gunsten der Barrierefreiheit muss meistens finanziert werden. „In diesem Bereich bestehen aber recht gute Fördermöglichkeiten bei Bund und Ländern“, sagt Schonlau. So bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zum Beispiel das Kreditprogramm 159 „Altersgerecht Umbauen“. Dabei handelt es sich um einen Kredit mit günstigen Zinssätzen. Gefördert werden diverse Maßnahmen von der Anpassung der Zuwegung über die vertikale Überwindung von Niveauunterschieden bis zur Anpassung der Raumgeometrie und Maßnahmen in Sanitärräumen. „Dazu bieten auch die Landesbanken, wie zum Beispiel die niedersächsische N-Bank, eigene Förderprogramme“, ergänzt der Sachverständige. Umfangreiches Informationsmaterial zu diesem und vielen anderen Themen rund um barrierefreien Wohnraum finden sich auf dieser Webseite sowie unter anderem auf www.nullbarriere.de, www.pflege.de oder www.barriere-freies-wohnen.de.